Etappe 5

Zillertaler Bergwelt

Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende

Motto des Tages: Tiroler Wandernudel auf dem Dach der Welt

Nach Prima Frühstück im Berghotel und in frisch gewaschener und über Nacht getrockneten Wanderklamotten ging es so gegen 9 Uhr wieder auf die Piste direkt vom Hotel aus und zwischen monumentalen Liftanlagen.

Und während die ganze Region unter der unglaublichen Hitze dieser Tage litt, war es uns an diesem Morgen auf rund 1.500 m Höhe so kalt, dass Thido sogar langärmlig starten musste.

Zunächst ging es über einen gut ausgebauten Wanderweg moderat bergan, sodass wir die ersten 400 Höhenmeter in der frischen Bergluft kaum spürten. Im Vergleich zur Höllenglut am Achensee, wo wir an einem ganzen Tag nur 150 Höhenmeter gemacht hatten, war die mehr als doppelte Menge hier kaum zu spüren.

Mittlerweile lernen wir auch einige andere Teilnehmer kennen, die dieselbe Tour gebucht haben wie wir. So gibt es eine kuriose Vierergruppe von Belgiern mit Hund, die aber immer nur zu dritt anzutreffen ist — mit Hund. Einer der beiden Männer scheint auf wundersame Weise immer zu verschwinden, um dann plötzlich aus dem Nichts wieder aufzutauchen. Da sich die beiden auch noch sehr ähnlich sehen, waren wir lange überzeugt, dass es sich eigentlich um eine Dreiergruppe handelt — bis wir heute beim Frühstück kurzzeitig alle vier gleichzeitig gesehen haben, um sie später auf dem Weg wieder nur als Dreiergruppe wiederzutreffen: mal mit Mann A, mal mit Mann B. Die einzige Konstante scheint der Hund zu sein — nennen wir ihn C.

Nachdem wir nach knapp 7 km die Rastkogelhütte auf 2.124 m erreicht hatten und mittlerweile so auf Betriebstemperatur gekommen waren, dass Thido bekleidungstechnisch von lang auf kurz umstellen konnte, begeisterte uns die Zillertaler Bergwelt in ihrer vollen Pracht. Hochalpines Gebiet wie aus dem Bilderbuch — mit schneebedeckten Gipfeln und Gletschern im Hintergrund und einer atemberaubenden Alpenflora zu unseren Füßen: von Enzian über Alpenrose bis hin zu Nelkenwurz und Almrausch auf den endlos erscheinenden Almwiesen.

Und wie schon fast an jedem Tag haben wir es auch diesmal wieder rechtzeitig um 12:00 Uhr zu unserer Mittagsjause geschafft. In der Rastkogelhütte — wo wir auch die Belgier in wechselnder Besetzung wiedersahen — gab es eine zünftige Käspressknödlsubbm (auf Hochdeutsch: Käse-Press-Knödel-Suppe) und dazu eine erfrischende Schorle mit Rhabarber bzw. Holunder. Das Besondere an der Käspressknödlsubbm ist nicht nur, dass man den Namen schier nicht aussprechen kann, sondern dass sie trotz ihrer rustikalen Schlichtheit nicht nur ordentlich satt macht, sondern sogar noch ganz passabel schmeckt.

So gestärkt ging es weiter über einen nochmals steilen Aufstieg zum Kreuzjoch und dann weiter zum Mittelwandskopf — mit 2.280 m der höchste Punkt der heutigen Etappe.
Am 2.133 m hohen Arbiskopf — nicht zu verwechseln mit dem fast ähnlich klingenden Airbus-Kopf in Friedrichshafen, der im Vergleich zum ersteren deutlich bürokratischer unterwegs ist — konnten wir uns den ersten Stempel der berüchtigten Tiroler Wandernadeln einheimsen. Aus Ermangelung eines passenden Stempelbuches haben ich mich kurzerhand selbst gestempelt und darf nun stolz den Titel „Tiroler Wandernudel" tragen.

Es folgte noch ein kleinerer Abstieg zum Melchboden, von wo aus wir mit Bus und Zillertalbahn zu Silvanas Wohlfühlhotel in Mayrhofen gelangten. Nachdem wir nach dem anstrengenden Tag mit fast 900 Höhenmetern auf eine wohltuende Massage von Silvana höchstpersönlich gehofft hatten, wurden wir diesbezüglich zwar etwas enttäuscht — das Hotel war trotzdem genial. Thido hatte natürlich wieder das elegante Eckzimmer mit zwei Balkonen, Sitzecken und Panoramablick in alle Richtungen, während ich diesmal offenbar das Hochzeitszimmer zugelost bekommen hatte: rotes Bett, rote Polster, rote Beleuchtung — und man mag es kaum glauben — rotes Licht im Badezimmer. Bei so viel Rotlicht habe ich als erstes sämtliche Vorhänge zugezogen, um kein unpassendes Klientel anzulocken.

Nachdem wir uns den Staub der Tiroler Bergwelt abgespült hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem passenden Restaurant für den Abend und waren überrascht über die große Auswahl — und die großen Preise. Mayrhofen erinnert diesbezüglich etwas an Oberstaufen im Allgäu: Hier trifft sich offenbar gut betuchtes Publikum, bei dem der Rubel locker sitzt. Nun waren wir nach fünf Tagen Wandern weder sonderlich gut betucht — was man wahrscheinlich auch riechen konnte — noch konnten wir mit einer prallen Geldbörse prahlen, sodass wir uns etwas aus der mittleren Kategorie aussuchten. Beim Kramerwirt gab es schließlich ein leckeres Abendessen mit Weinbegleitung und einem Enzian zum Abschuss — sorry, sollte Abschluss heißen. Aber ersteres trifft es wohl besser.

Morgen geht es nun weiter auf die schönste — aber auch schwerste — Etappe unserer Tour: Wir überqueren den Alpenhauptkamm am Pfitscherjoch und nähern uns langsam Italien. Dem Ende unserer Reise.

Tipps & Hinweise

Früh starten lohnt sich — auf 1.500 m ist es morgens noch angenehm kühl, auch wenn das Tal in der Hitzeglocke schmort. Die ersten Höhenmeter gehen wie von selbst.

Augen auf bei Reisebegleitern — manchmal sind es mehr Leute als man denkt. Es lohnt sich also, beim Frühstück mal genauer hinzuschauen. Wer wie viele sind sie wirklich? Und ist der Hund eigentlich immer gleiche ?

Rastkogelhütte: perfekte Mittagsjause auf 2.124 m — Käspressknödlsubbm und Rhabarberschorle. Mehr braucht es nicht. Reicht aber auch völlig.

Tiroler Wandernadel: Stempelbuch mitnehmen! — Am Arbiskopf (2.133 m) gibt es einen Stempel. Wer keins dabei hat, stempelt sich selbst und trägt fortan den Titel „Tiroler Wandernudel".

Mayrhofen ist teuer — Preise wie in einem Alpenresort für gut betuchtes Publikum. Wer nach fünf Tagen Wandern weder frisch gewaschen noch reich ist, hält sich an die mittlere Preiskategorie. Der Kramerwirt ist eine gute Wahl.

Enzian zum Abschluss — oder Abschuss. Beides trifft es nach 900 Höhenmetern eigentlich ganz gut.

Das Hochzeitszimmer — falls ihr in Silvanas Hotel das rote Zimmer bekommt: Vorhänge zuziehen und einfach schlafen. Rotlicht hilft bei Muskelverspannungen.

Übernachtung

Sylvanas Wohlfühlhotel mit Rotlichtzimmer

Fotos

Hohenfügen
Hohenfügen
Hüttn
Hüttn
Auf zum Kamm
Auf zum Kamm
Der Weg ist weit...
Der Weg ist weit...
und verschlungen.
und verschlungen.
Stachlige Schönheit
Stachlige Schönheit
Langsame Schlappheit
Langsame Schlappheit
Blumen am Wegesrand
Blumen am Wegesrand
Dramatische Bergkulisse
Dramatische Bergkulisse
Kammweg
Kammweg
So blau, blau, blau ....
So blau, blau, blau ....
Rastkogelhüttn
Rastkogelhüttn
siehe Foto
siehe Foto
Käspressknödlsubbm
Käspressknödlsubbm
Viele Gipfel ...
Viele Gipfel ...
und Thido zählt sie alle
und Thido zählt sie alle
Endlich mal die Füsse ausstrecken
Endlich mal die Füsse ausstrecken
Jetzt geht es abwärts
Jetzt geht es abwärts
Keiner Berg ...
Keiner Berg ...
mit Zwerg.
mit Zwerg.
Zillertaler Bergwelt
Wandernudel
Wandernudel
Melchbodenpause
Melchbodenpause
Sylvana wartet schon
Sylvana wartet schon
Hochzeitszimmer mit rotem Plüsch (Rotlicht noch nicht gesetzt)
Hochzeitszimmer mit rotem Plüsch (Rotlicht noch nicht gesetzt)
Zum Spickln und Spannerln aus dem Rotlichtzimmer
Zum Spickln und Spannerln aus dem Rotlichtzimmer
Mayrhofen
Mayrhofen
Kramerwirt
Kramerwirt
Teilen: