Etappe 7

Durchs Pfitschertal nach Sterzing

Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende

Motto des Tages: 23 Kilometer, 35 Grad und das illustre Damenduo zum großen Finale

Heute begann leider der letzte Teil unserer Reise vom Tegernsee nach Sterzing. Diese Schlussetappe führte uns von St. Jakob entlang des ewig langen Pfitschertals über mehr als 20 Kilometer ins faszinierende Sterzing — und das bei Temperaturen jenseits der 35°C.

Wir hatten uns innerlich schon auf eine öde, glühend heiße Sengtour eingestellt, bei der man Kilometer um Kilometer durch flirrende Hitze stapft. Doch weit gefehlt: Der Tag entpuppte sich als einer der abwechslungsreichsten der ganzen Tour.

Den Anfang machten eine kleine Kirch entlang des Weges — von außen unscheinbar, von innen prächtig und mit so viel Liebe ausgemalt, dass wir staunend stehen blieben. Die Deckenfresken hätten so manch größerer Kathedrale gut zu Gesicht gestanden.

Immer entlang der munter plätschernden Pfitsch ging es weiter, mal sonnig, mal angenehm schattig, aber stets bergab — was unsere geschundenen Wanderbeine nach sechs Tagen Auf und Ab dankbar quittierten.

Wirklich nervtötend war nur eine Sache: die Bremsen. Diese kleinen Biester hatten sich offenbar herumgesprochen, dass zwei durchgeschwitzte Wanderer mit reichlich Angriffsfläche unterwegs waren. In einem Akt selbstloser Kameradschaft verpasste mir Thido schließlich eine derart kräftige Ohrfeige, dass die betreffende Bremse vermutlich noch im Jenseits davon erzählt. Ob es die Bremse oder mich härter traf, lasse ich an dieser Stelle offen.

Unterwegs stießen wir auf einen echten Lost Place: ein altes, verfallenes Bauernhaus, aus dessen Obergeschoss bereits ausgewachsene Bäume in den Himmel ragten — während wir im Erdgeschoss ihre Wurzeln bewundern konnten. Die Natur holt sich eben zurück, was ihr gehört, und zwar mit beachtlicher Gründlichkeit.

Wenig später lockte eine ganz besondere Einkehr: „Evas Lädle", eine zuckersüß gestaltete Verkaufsvitrine, betrieben von einer offenbar sechsjährigen Jungunternehmerin, im Sortiment Honig, selbstgemachter Sirup und Kuchen. Wir probierten einen vorgemischten Kola-Sirup mit Wasser, Thido gönnte sich ein Stück Kirschkuchen. Wir sind uns ziemlich sicher: Diese kleine Dame wird es noch weit bringen.

Dann kam das kulinarische Highlight des Tages — und es kam völlig überraschend. Das Gasthaus Pretzhof war im Reiseführer nur am Rande erwähnt, weshalb wir mit entsprechend bescheidenen Erwartungen anrückten. Was uns erwartete, war jedoch ein Gourmettempel erster Klasse mit entsprechend gut betuchtem Publikum, dem wir zwei durchgeschwitzten Bergmenschen herrlich fehl am Platz vorkamen.

Auf unsere zaghafte Frage, welches Bier es denn gäbe, lautete die Antwort: Meckatzer Gold-Weiss — was insofern bemerkenswert ist, als dieses Bier aus dem Allgäu stammt, also praktisch von unserem heimischen Bodensee. Die Welt ist eben doch ein Dorf.

Wir orderten eine kleine Vesperplatte zum Teilen — und bekamen drei üppig beladene Platten mit verschiedensten Käsesorten, allen erdenklichen Schinkenvariationen, Roastbeef und diversen Dips. „Klein" hat man hier offenbar eine sehr großzügige Auffassung. Es war schlicht gigantisch.

Der nächste Zwischenstopp führte uns nach Wiesen/Prati an die dortige Kneippanlage, wo wir unsere malträtierten Füße in zwei Runden eiskaltem Flusswasser regelrecht einfrosteten. In einem Anflug von Todesmut wateten wir sogar bis zu den Oberschenkeln ins eisige Nass — ein Gefühl, das irgendwo zwischen belebender Erfrischung und akuter Lebensgefahr changierte.

Anschließend gab es eine erfrischende Saftschorle, und beim Abmarsch wurde Thido — wie könnte es anders sein — mal wieder mit lauten Rufen von der Bedienung verfolgt.

Diesmal hatte er allerdings nicht die Kurtaxe vergessen, sondern schlicht seine Wanderstöcke. Man kennt seine Pappenheimer also inzwischen.

Nach mehr als 8:45 Stunden bei 35°C und sage und schreibe 23 Kilometern erreichten wir schließlich das zauberhafte Sterzing — und wurden, ganz wie es zur Tradition dieser Reise geworden ist, wieder auf zwei verschiedene Hotels verteilt.

Ich landete im Posthotel Lamm, einer Nobelunterkunft direkt im Zentrum mit riesigem Spa-Bereich und Pool, während Thido im Hubertushof unterkam — einem urigen Jägerhotel ohne Spa, dafür mit reichlich Hirsch und Wild an den Wänden. Man ahnt langsam ein System hinter dieser Zimmerverteilung, kann es aber beim besten Willen nicht beweisen.

Nach ausgiebigem Spa-Genuss bei mir und langem An- und Abmarsch bei Thido zum und vom Hubertushof trafen wir uns um 19:00 Uhr zum Abendessen — und wen erblickten wir dort wieder?

Das illustre Damenduo vom Vortag, das gerade, vermutlich bei seiner fünften Einkehr des Tages, zwei Aperol Spritz dem Vergessen anheimgab. Die Damen sind und bleiben unsere heimlichen Helden dieser Tour.

Zum Abendessen kehrten wir schließlich in der Pizzeria Nepomuk ein — einem etwas versteckt gelegenen Geheimtipp Sterzings mit den vermutlich besten Pizzen jenseits des Alpenhauptkamms.

Wichtig: rechtzeitig kommen, denn ab 20:00 Uhr ist hier alles besetzt. Wir hatten unsere Lektion aus dem Bräustüberl gelernt und waren beizeiten da.

Und morgen? Morgen geht es leider schon auf den Rückweg. Schade.

Tipps & Hinweise

Nicht von der Streckenlänge abschrecken lassen — 23 km klingen zäh, sind aber überraschend abwechslungsreich: kleine Kirchen mit prächtigen Deckenfresken, Lost Places, Almstände und immer die Pfitsch als Begleiterin. Und es geht fast durchgehend bergab.

Früh starten bei Hitze — bei 35°C unbedingt zeitig los. Die Strecke wechselt zwar zwischen sonnig und schattig, aber die pure Länge zehrt. Genug Wasser und Sonnenschutz einpacken.
Bremsen-Alarm — entlang des Flusses lauern die Biester. Langärmliges dabeihaben oder einen guten Freund mit schneller Hand. Insektenspray hilft bedingt.

Evas Ländle — der süße Selbstbedienungsstand der jungen Nachwuchsunternehmerin lohnt einen Stopp. Honig, Sirup und Kuchen, fair und charmant.

Gasthaus Pretzhof: die Überraschung — im Reiseführer unterschätzt, in Wahrheit ein Gourmettempel. Auch durchgeschwitzte Wanderer werden bewirtet. „Kleine" Vesperplatte bedeutet hier drei üppige Platten — zum Teilen bestellen reicht locker.

Kneippanlage Wiesen/Prati — perfekt für müde Füße. Das eiskalte Flusswasser ist eine Wohltat nach Kilometern auf hartem Untergrund. Wer mag, watet tiefer — auf eigene Gefahr.

Nepomuk in Sterzing: rechtzeitig kommen — bester Pizzaladen der Stadt, aber ab 20:00 Uhr voll. Vorher da sein oder reservieren.

Zwei Hotels = wieder Wege einplanen — wer getrennt untergebracht ist (z. B. Posthotel Lamm im Zentrum vs. Hubertushof außerhalb), sollte den Fußweg zum gemeinsamen Abendessen einkalkulieren.

Übernachtung

Posthotel Lamm / Hubertushof

Fotos

Der Dorfwirt in St. Jakob - solide
Der Dorfwirt in St. Jakob - solide
Fakir - Käfer ?
Fakir - Käfer ?
Wunderschöne Kirche in St. Jacob.
Wunderschöne Kirche in St. Jacob.
Man scheint auf das schlimmste gefasst zu sein.
Man scheint auf das schlimmste gefasst zu sein.
Vorsicht vor Bremsen und schlagfertigen Mitreisenden.
Vorsicht vor Bremsen und schlagfertigen Mitreisenden.
Lost Place. Von außen noch ganz ok ...
Lost Place. Von außen noch ganz ok ...
aber innen könnte mal wieder abgestaubt werden.
aber innen könnte mal wieder abgestaubt werden.
Hier wachsen die Bäume nicht in den Himmel sondern die Wurzeln durch die Decke
Hier wachsen die Bäume nicht in den Himmel sondern die Wurzeln durch die Decke
Ziemlich Ebbe mit Wasser in der Sperre.
Ziemlich Ebbe mit Wasser in der Sperre.
Im Fluß hat's noch reichlich.
Im Fluß hat's noch reichlich.
Evas Lädle mit Bild der 6-Jährigen Geschäftsführerin
Evas Lädle mit Bild der 6-Jährigen Geschäftsführerin
Egon passt aber auf !
Egon passt aber auf !
Meckatzer in Italien - wir sind im Himmel.
Meckatzer in Italien - wir sind im Himmel.
Kleiner Mittagsimbiss. Eigentlich nur für eine Person gedacht.
Kleiner Mittagsimbiss. Eigentlich nur für eine Person gedacht.
Falls man nicht satt wird kann man das eine oder andere noch mitnehmen.
Falls man nicht satt wird kann man das eine oder andere noch mitnehmen.
Vielleicht darf's auch etwas mehr sein.
Vielleicht darf's auch etwas mehr sein.
Wir nähern uns unserem Ziel.
Wir nähern uns unserem Ziel.
Kirche Nummer 2 des Tages
Kirche Nummer 2 des Tages
Thido beim Kneipen.
Thido beim Kneipen.
und vor dem eiskalten Todesmarsch
und vor dem eiskalten Todesmarsch
Geschafft - Sterzing
Geschafft - Sterzing
Ein nettes Städle.
Ein nettes Städle.
Mit pittoresken Erkern.
Mit pittoresken Erkern.
Da zieht was auf - morgen kommt der Wetterumschwung.
Da zieht was auf - morgen kommt der Wetterumschwung.
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