Etappe 2

Bad Wiessee → Achenkirch über die Blauberge

Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende

Motto des Tages: Vergisst Du das Zahlen der Kurtaxe, hast Du die Chefin an der Haxe.

Teil 1: Vom Bad Wiessee bis Achenkich

Nach einem üppigen Frühstück und einem leichten Fehlstart — Thido hatte vergessen, seine Kurtaxe zu bezahlen, woraufhin ihn die Rezeptionistin bis in den Bus verfolgte, um den ausstehenden Betrag einzutreiben — ging es zum Ausgangspunkt unserer Wanderung: der Herzoglichen Fischzucht bei Wildbad Kreuth.

Da wir aufgrund zu befürchtender Geruchsprobleme bei 30°C keine Forelle mit auf die Wanderung nehmen wollten, ließen wir diese links liegen und machten uns direkt an den 800 Höhenmeter langen Aufstieg zur Blaubergalm. Was zunächst noch recht moderat im Wald begann, wandelte sich bald zu einer ziemlich steilen Kraxelei durch die Blauberge.

Völlig durchgeschwitzt erreichten wir dann genau zur Mittagszeit die rustikale Almhütte und mussten uns erst einmal mit literweise Schorle re-hydrieren. Anschließend gab es eine Stärkung in Form von Käse, der selbst auf der Alm hergestellt wurde. Thido wählte gleich die Extremversion — die Käseplatte — und hatte so die Wahl zwischen würzig, scharf, kräutrig und krümelig. Wobei die krümelig-saure Version wohl nicht so seinen Geschmack traf: Fast jeder Krümel ging wieder zurück.

Von dort aus machten wir uns an den langen und zehrenden Abstieg nach Achenkirch — über eine schier endlose und trostlose Forststraße. Dabei trafen wir immer wieder auf andere Wanderer, die denselben Weg hatten und ebenso wie wir versuchten, der zehrenden Strecke irgendwie Herr zu werden.

Eine Besonderheit gab es an diesem Tag schon vorab: ASI hatte Thido und mich in zwei verschiedenen Hotels untergebracht — ich im gemütlichen Gasthaus Marie im Norden von Achenkirch, Thido rund 3,8 Kilometer weiter südlich im Hotel Beretta. Was bei einer Tour, auf der man sonst alles gemeinsam macht, zunächst nur wie eine kleine organisatorische Eigenheit wirkte, sollte sich am Abend noch als Quelle eines veritablen Logistik-Abenteuers erweisen. Denn ein gemeinsames Abendessen war natürlich Pflicht — und Achenkirch, dieses kilometerlang ins Tal gezogene Dorf, machte uns die Sache nicht eben leicht.

Teil 2: Die Odyssee des Thido — oder: Wie man 4 Kilometer zu einem Tagesabenteuer macht

Eigentlich war der Plan ganz einfach: Thido nimmt den Bus, fährt zu mir ins Gästehaus Marie, wir essen zusammen. Was sollte da schon schiefgehen?

Nun ja. Thido war pünktlich um 18:00 Uhr an der Bushaltestelle — leider auf der falschen Straßenseite. So durfte er aus der ersten Reihe mit ansehen, wie sein Bus seelenruhig und ohne anzuhalten an ihm vorbeirauschte. Frust pur.

Auf dem Rückweg zu seinem Hotel — das von außen eher einer Baustelle als einer Unterkunft glich — stand plötzlich ein Taxi am Straßenrand und wartete offenbar auf einen Fahrgast. Thido fragte zaghaft an, ob es frei sei. „Nein, ich warte auf jemanden", so der Fahrer. Doch als Thido sein Ziel nannte — keine vier Kilometer entfernt — siegte der Pragmatismus: „Warte, das quetsche ich noch kurz dazwischen." Für 20 Euro landete Thido schließlich doch noch bei mir.

Den Staub des Tages spülten wir mit je zwei Halben König Ludwig Hell hinunter. Zur Stärkung gab es für Thido ein Tiroler Gröstl — und für mich die vermutlich größte Schweinshaxe der bekannten Welt. Eine ganze Fußballmannschaft wäre davon satt geworden, und so musste ich, obwohl sie exzellent schmeckte, schon beizeiten kapitulieren.

Doch dann das nächste Problem: der Rücktransport. Thido musste ja zurück in sein vergammeltes Beretta — Hotel mit angeschlossener Pizzeria (jeder mafiöse Vergleich des Namens mit der gleichnamigen Pistole verbietet sich an dieser Stelle selbstverständlich). Taxi? Fehlanzeige. Uber? In Achenkirch ein Fremdwort. Trampen? Keine Chance. Also machte sich Thido mutterseelenallein auf den einstündigen Fußmarsch entlang der steilen, vielbefahrenen Straße.

Das wiederum konnte der Wirt vom Gästehaus Marie nicht mit ansehen. Kurzerhand sprang er ins Auto, düste los, pickte Thido unterwegs auf und chauffierte ihn höchstpersönlich bis vor die Tür des Hotel Beretta.

Fazit des Abends: Vier Kilometer, ein verpasster Bus, ein bestochenes Taxi, eine kapitulierende Schweinshaxe und ein Wirt mit Herz. Manchmal ist der Weg zum Abendessen eben das eigentliche Abenteuer. 🍺

Tipps & Hinweise

Kurtaxe vor Abreise zahlen — wird notfalls bis zum Bus eingetrieben. Beim Auschecken kurz nachfragen.

Aufstieg hat's in sich — erst moderat im Wald, dann steile Kraxelei durch die Blauberge. 800 Hm bei 30°C, genug Wasser mitnehmen.

Blaubergalm: perfekte Mittagseinkehr — urig, hausgemachter Käse. Die krümelig-saure Sorte vorher kosten, bevor man die ganze Platte bestellt.

Der Abstieg zermürbt — endlose, trostlose Forststraße nach Achenkirch. Nicht die Höhenmeter, die Monotonie ist das Problem. Musik oder gute Gespräche bereithalten.

Zwei Hotels = Logistik einplanen — wer wie wir getrennt untergebracht ist, sollte den Transport zum gemeinsamen Abendessen frühzeitig klären. Achenkirch zieht sich kilometerlang, zu Fuß ist die Strecke kein Spaß.

Regiobus 4080 — kostenlos mit AchenseeCard, aber auf die richtige Straßenseite achten! Der Bus hält nur an der passenden Haltestelle für die Fahrtrichtung. Und: Am frühen Abend ist Schluss, für die Rückfahrt also einen Plan B haben.

Übernachtung

Gästehaus Marie / Hotel Beretta

Fotos

Unser Start am Wildbach
Unser Start am Wildbach
Eine Alm mit Apero ...
Eine Alm mit Apero ...
... aber leider nicht für uns :-(
... aber leider nicht für uns :-(
Mühe und Kühe beim Aufstieg
Mühe und Kühe beim Aufstieg
Blauberge
Blauberge
Noch blauere Berge
Noch blauere Berge
Blaubergalm
Blaubergalm
KNudeln (Käse Nudeln)
KNudeln (Käse Nudeln)
Der Hang rutscht ab.
Der Hang rutscht ab.
Ein Häuschen im Grünen
Ein Häuschen im Grünen
Endlose Forststrasse
Endlose Forststrasse
Mega Haxn
Mega Haxn
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